The Last Spark of Hope – Filmkritik

Michael Sagenhorn/ Oktober 4, 2026/ Kino und Film, Science-Fiction/ 0Kommentare

Diesmal kommt die Apokalypse aus Polen. Regisseur und Drehbuchschreiber Piotr Biedron tritt mit seinem kleinen Endzeitkammerspiel in die Fußstapfen vieler dystopischer Werke. Das Grundgerüst ist nicht neu. Wieder einmal wurde die Menschheit vernichtet, wieder einmal ist die Welt am Abgrund und ohne Hoffnung, wieder einmal ist die Technik des Menschen Feind.

Warum The Last Spark of Hope trotzdem sehenswert ist, führe ich in diesem Artikel aus.

Handlung

Ein vernichtender Krieg hat die Zivilisationen und die Lebensräume der Menschen zerstört. Luft und Wasser sind vielerorts verseucht, die Städte verfallen. Die Reichen und Mächtigen haben die Erde in Raumschiffen verlassen, doch ohne Hoffnung, eine neue Heimat zu finden. Daher ist Ewa nun die letzte Überlebende der Menschheit. Ihr Domizil ist ein abgelegener, erhöhter Außenposten, nahe einem Atomkraftwerk.

Doch ganz allein ist Ewa nicht. Sie teilt den Außenposten mit einem Wachroboter, einem kleinen, alten Kriegsroboter namens Arthur. Er soll den Außenposten vor Eindringlingen schützen.

Um die Einsamkeit erträglich zu machen, vertreibt sich Ewa mit Arthur die Zeit, etwa wenn sie beide Rätselspiele spielen, die der Roboter meistens gewinnt, oder wenn Ewa sich Gedanken macht, was sie Arthur zum nahen Weihnachtsfest schenken könnte.

Ewa sieht in Arthur fast schon einen guten Gefährten, doch eines Tages kippt die Stimmung. Jedes Mal, wenn Ewa eine gewisse Entfernung von ihrem Habitat zurücklegt, fragt Arthur sie bei ihrer Rückkehr nach dem Passwort, ganz gleich, ob sie die nahe Stadt aufsucht, oder ob sie diese Sicherheitsgrenze auch nur mit einem Schritt überschreitet.

Für Ewa ist die Frage reine Routine. Das ändert sich, als Ewa vergisst, das neue Passwort nachzulesen, denn das wechselt nach einer gewissen Zeit automatisch. Als Ewa den Roboter nur das veraltete Passwort nennen kann, lässt der sie nicht mehr vorbei. Seine Programmierung ist eindeutig: Eindringlinge müssen abgewehrt werden. Jeder, der das Passwort nicht kennt, ist ein Eindringling.

Arthur lässt nicht mit sich verhandeln. Das lebensnotwendige Wasser ist nun für Ewa unerreichbar. Da erkennt sie: Aus ihrem vermeintlichen Gefährten ist ein tödlicher Feind geworden …


Tödlicher Schutz

Wer kennt sie nicht: die treuen Roboter, die nur unser Bestes wollen. Tatsächlich hat Arthur nur einen einzigen Existenzweck: Ewa vor Gefahren zu schützen. Ewas Vater hatte den Roboter so programmiert, bevor er den Außenposten verließ. Im Grunde war das eine weitsichtige Entscheidung, denn er ist nie mehr zurückgekommen.

Es ist schon verrückt: Ewa könnte jetzt genau dieser Schutz zum Verhängnis werden. Dass Ewa auch ohne das aktuelle Passwort natürlich immer noch die gleiche ist, hat für den Roboter keine Bedeutung. Seine Programmierung ist eindeutig: Wer das Passwort nicht kennt, ist ein Eindringling. Umso skurriler wird es für uns, wenn wir erfahren, dass die Programmierung und die Passwörter zurückgesetzt werden, sollte Ewa sterben. Schließlich ist dann Ewas Schutz nicht mehr nötig.

Wir erschaffen etwas zu unserem Besten, das wir nicht kontrollieren können und das seinen Sinn verliert, sobald wir nicht mehr existieren.


Löse das Rätsel

Es ist spannend zu sehen, wie Ewa versucht, ihre ausweglose Situation zu lösen. Zuerst kommt Arthurs Hartnäckigkeit Ewa wie ein schlechter Scherz vor. Dass sie durch das Versäumnis, nach dem neuen Passwort zu sehen, in tödliche Gefahr geraten ist, kommt ihr zunächst gar nicht in den Sinn. Sie versteht sich doch so gut mit dem Roboter und denkt sogar darüber nach, wie es wäre, ihn zu heiraten.

Doch Arthur folgt stur seinem Programm. Erst jetzt erkennt Ewa, dass sie in eine scheinbar unüberwindliche Zwickmühle geraten ist. Arthur ist zwar alt und klapprig, aber voll bewaffnet. Den einprogrammierten Job von Ewas Vater erledigt er treu und pflichtbewusst. Daher kommt Ewa auch nicht mehr an das Trinkwasser heran. Arthur weist sie mehrmals darauf hin, dass sie unbedingt Wasser benötige. Doch holen kann Arthur das Wasser nicht. Seine Programmierung verbietet ihm, seine vorgegebene Zone zu verlassen – alles zu Ewas Schutz.

So wird aus den netten Rätselspielen mit Arthur plötzlich ein Rätsel, bei dem es ums nackte Überleben geht.

Ewa versucht so einiges, um zurück in die Unterkunft zu kommen:

  • Sie versucht zu verhandeln, appelliert an des Roboters Logik. Schließlich kennt Arthur sie. Wie kann sie da ein Eindringling sein?
  • Sie verkleidet sich als Flüchtling, denn jedem Flüchtling muss Hilfe gewährt werden.
  • Sie versucht, Arthur mit dem Auto zu überfahren.

Es ist ein Wettkampf des menschlichen Geistes gegen stupide maschinelle Programmierung. Denn im Gegensatz zu anderen Rezensenten, die in Arthur eine KI-Maschine sehen (wahrscheinlich im Zuge des KI-Trends), sehe ich, selbst Softwareentwickler, in ihm eigentlich nur eine gut programmierte Maschine, die nicht in der Lage ist, über ihre Programmierung hinauszuwachsen. Das macht den Wettkampf der beiden ja so spannend.

Diese einfachen Maschinen sind auch der Grund, warum das Atomkraftwerk in der Nähe noch funktioniert. Ewa klärt Arthur auf: An der Konsole sitzen Maschinen, die mit einem Knopfdruck das unnötige Kraftwerk herunterfahren könnten. Doch vor dem Herunterfahren müssen sie eine letzte Frage beantworten. Das Kraftwerk funktioniert weiter, weil Maschinen nicht lügen können. Welche Frage das ist, erklärt der Film.

Ebenso erfährt der Zuseher, welches das einzige Rätsel von Ewa ist, das Arthur nicht lösen kann, eben weil es ähnlich gestrickt ist, wie die letzte Frage im Kraftwerk. Nun muss Ewa ihr Rätsel lösen: Wie überzeugt sie Arthur, sie passieren zu lassen, ohne gegen seine Programmierung zu verstoßen? Wird Ewa dieses Rätsel knacken?

Fazit

The Last Spark of Hope ist ein kleiner, ambitionierter Survivalthriller nach der Apokalypse. Er hat seine Schwächen. Ein Auge musste ich zum Beispiel fest zudrücken, weil der klapprige, alte Roboter nahezu unüberwindbar scheint. Auch das Rätsel, das Arthur nicht errät, hätte man ein bisschen mehr herausarbeiten können, damit auch Zuschauer, die keine Denksport-Insider sind, verstehen, was es mit diesem Rätsel auf sich hat.

Dafür besticht der Film bei einer Szene mit einer für mich atemberaubenden Optik. Auf der Suche nach Wasser seilt sich Ewa vom Rand des Atomkraftwerk-Kühlturms in dessen Zentrum ab. Diese Aufnahmen sind absolut sehenswert. Wer Terry Gilliams Brazil kennt, weiß, wie beeindruckend dieser Filmschauplatz ist.

Tatsächlich ist es einer jener Filme, die aufgrund ihrer verrückten, ausweglosen Situation bei mir nachhallen. Das Ende ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Natürlich will ich es euch nicht verraten. Schließlich macht es mehr Spaß, es selbst zu erleben.

The Last Spark of Hope ist auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Bildquelle: © Meteor Film

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Über Michael Sagenhorn

Im bürgerlichen Leben: Michael Schnitzenbaumer, lebt in Poing bei München, mit seiner Frau Steffi und seinen beiden Kindern Tatjana und Sebastian. Beruflich ist er als Webentwickler tätig. Nachdem ihm das Leben eine längere Pause in der Schriftstellerei aufgezungen hat, startete er 2025 wieder durch und publiziert seine Fantasy-Romane. Neben den Hobbys 'Fotografie', 'Reisen und 'Figurenbemalung' sieht er für sein Leben gerne phantastische Filme oder liest phantastische Romane. Sofern es seine Zeit zulässt, fröhnt er auch seiner zweiten Leidenschaft neben der Schriftstellerei: Digital-Art, mit und ohne Hilfe von KI. Auch hier kann er zahlreiche Veröffentlichungen vorweisen. Was ich mag! Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Empathie, Romantik - Ohrenstöpsel und Tante Gretels Apfelkuchen. Was ich nicht mag! Verrat, Geldgier (obwohl ich gegen Geld oder Reichtum gar nichts einzuwenden habe), Egomanie - früh aufstehen.

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